02
Jul09

Swoopo, und Schwupps ist die Kohle weg

swoopo

Die neue Auktions- und Schnäppchenplattform Swoopo wird immer populärer. Es scheint fast so, als haben viele das Rechnen verlernt...

Swoopo, früher unter dem Namen Telebid aktiv, eilt kein guter Ruf voraus. Wenn man einmal ein bisschen im Web wühlt, wird man ziemlich schnell mit unzähligen Beiträgen konfrontiert, die das Geschäftsmodell von Swoopo teilweise mit reiner Abzocke gleichsetzen.

Offizielle Funktionsbeschreibung von Swoopo.at:

Suchen Sie sich eine Auktion mit dem Produkt Ihrer Wahl aus. Erwerben Sie Gebote (Bids) für jeweils 0,50 €, die Sie nun sofort auf Ihre Wunschauktion setzen können. Mit jedem Gebot steigt der Auktionspreis um 0,10 € und die Laufzeit der Auktion steigt um maximal 20 Sekunden. Der Bieter, der das letzte Gebot abgegeben hat, bevor der Countdown abgelaufen ist, gewinnt die Auktion.

Klingt eigentlich ganz simple und transparent, aber ich wollte es genauer wissen und habe mir Swoopo ausführlich angeschaut. Das Geschäftsmodell von Swoopo grenzt zwar nicht direkt an Abzocke, aber man könnte es in die Kategorie Glücksspiel einordnen. Dem User wird vorgegaukelt ein Produkt günstig ersteigert zu haben, aber wenn man einmal genau nachrechnet hat nur einer davon profitiert, nämlich Swoopo selbst.

Rechenbeispiel anhand eines Laptops

  1. Ein Laptop im Wert von 1500 Euro wird für 100 Euro ersteigert.
  2. Die 100 Euro setzen sich aus 1000 Geboten zusammen (10 Cent pro Gebot).
  3. 1000 Gebote mal 50 Cent (Kosten eines Gebotes) ergeben eine Einnahme für Swoopo von 5000 Euro.
  4. Zu den 5000 Euro kommen jetzt noch die 100 Euro für den ersteigerten Laptop hinzu, dass ergibt eine Gesamteinnahme von 5100 Euro für Swoopo.
  5. Von den 5100 Euro zieht man jetzt noch 1500 Euro für den Wert des Laptops ab, dann bleibt ein Gewinn von 3600 Euro für Swoopo!

Der User, welcher den Laptop für 100 Euro ersteigerte, hatte viel Glück und machte womöglich ein gutes Geschäft damit. Vorausgesetzt er hat nicht allzu oft geboten. Alle anderen haben kräftig draufgezahlt und in Summe 5000 Euro verzockt. Swoopo, und Schwupps ist die Kohle weg!

Update 03.07.2009: Der Direktkauf

Seit kurzem wird bei Swoopo testweise auch die Möglichkeit eines Direktkaufs angeboten. Der Direktkauf ermöglicht es den Usern, das Produkt ihres Interesses jederzeit zu kaufen. Die Gebotskosten werden bei einem Direktkauf auch als Rabatt auf den Vergleichspreis des gewünschten Artikels angerechnet. Der Vergleichspreis entspricht der unverbindlichen Preisempfehlung des Herstellers oder einem marktüblichen Preis (wobei anzumerken ist, dass der Vergleichspreis teilweise überteuert ist).

Sie haben beispielsweise einen Laptop zu einem (überteuerten) Marktwert von 1500 Euro per Direktkauf erworben, dann werden ihnen ihre beispielsweise 50 Gebote (250 Euro) als Rabatt abgezogen. Klingt im Vergleich zum übrigen Geschäftsmodell nicht schlecht, aber die Direktkauf-Möglichkeit wird bestimmt neue User anlocken und somit die Chance, ein “Schnäppchen” zu schlagen, weiter reduzieren.

Den Direktkauf bei Swoopo darf man allerdings nicht mit der Direktkauf-Möglichkeit einer klassischen Auktionsplattform wie Ebay verwechseln, denn die Bestimmungen von Swoopo sehen da ganz anders aus:

  1. Zur Berechnung des individuellen Vorzugspreises (Preis des Direktkaufs) werden alle eingesetzten gekauften Gebote herangezogen.
  2. Die Auktion läuft für alle anderen Teilnehmer wie gewohnt weiter, auch wenn sich einzelne Bieter dazu entscheiden, den Artikel per Direktkauf zu erwerben.
  3. Es spielt hierbei keine Rolle, wieviele Bieter sich für den Direktkauf entscheiden, da wir sicherstellen, dass der Artikel in ausreichender Menge zur Verfügung steht.

Wie Anfangs erwähnt wurde der Direktkauf nur testweise eingeführt und Swoopo behält sich das Recht vor, den Direktkauf ohne Angabe von Gründen wieder einstellen zu können. Also womöglich wenn Swoopo damit nicht genug verdient…

Zusatz:

Das Thema Swoopo wird auch bei anderen Blogs heiß diskutiert. Schaut doch mal rein bei: alles2null , KlonBlog , zweipunktnull es lohnt sich.

8 Kommentare zu “Swoopo, und Schwupps ist die Kohle weg”

  1. DocSnyder sagt:

    Ich habe mich auch vor langer, langer Zeit bei Swoopo angemeldet. Bis jetzt habe ich noch nie was ersteigert bekommen. Teilweise habe ich mir sogar Nächte um die Ohren geschlagen und dann wurde der Artikel meistens zwischen 6 und 8 Uhr morgens ersteigert.

    Also mit ganz rechten Dingen gehts da sicher auch nicht zu. Aber selbst Schuld wenn man so “Abergläubisch” ist und denkt man könnte ein Schnäppchen machen.

  2. jochen sagt:

    Glücksspiel, Abszocke… wie auch immer.

    An Glücksspielt hab ich nix auszusetzen, darum hab ich mich mal angemeldet. Doch immer wenn ich ernsthaft mitgeboten hab, sind ein/zwei Bietbuttler eingesprungen und haben den Preis getrieben.

    Der Verdacht dass da nicht alle mit rechten Dingen zugeht ist mehr als berechtigt.

    Ich verballer jetzt mein Restguthaben und verbuch das ganze als Erfahrung.

  3. Swoopo-Psychologe sagt:

    Swoopo-Psychologie -> Dollarauktion
    http://de.wikipedia.org/wiki/Dollarauktion

    Der dort verlinkte Seminar-Vortrag ist auch sehr interessant/amüsant, das dort beschriebene Verhalten dürfte sicher bei vielen unbedarften Swoopo-Opfern zu beobachten sein.

  4. Generell stehe ich Swoopo auch eher skeptisch gegenüber, aber der Direktkauf ist noch das fairste an dem ganzen Swoopo Modell. Deine Argumentation kann ich nicht so ganz nachvollziehen. Eigentlich ist doch beiden Seiten damit geholfen – einige der Mitbieter gehen aus der Auktion, da sie den sicheren Weg des Direktkaufs wählen, wodurch die anderen sich einem geringeren Wettbewerb ausgesetzt sehen. Swoopo ist allerdings so oder so wieder der Gewinner, da die unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers sicher nicht der günstigste Preis ist. Und welcher Onlineshop schafft es schon, vor der Entscheidung zu stehen, Elektronikartikel entweder mit einer Marge im vierstelligen Prozentbereich oder immerhin zum unverbindlichen Herstellerpreis zu verkaufen. Und das beste dabei ist, dass Swoopo durch diesen Weg, Produkte über den im Internet üblichen Preisen auch noch an Reputation gewinnt, da jeder Weg fairer ist, als das ursprüngliche Swoopo-Gebotssystem. Vor dem Hintergrund der aktuellen Neuausrichtung von Swoopo habe ich auch mal meine Gedanken hierzu gepostet – alles hier zum Nachlesen.

  5. Raoul sagt:

    Wie schon bei zweipunktnull berichtet, habe ich mich auch einmal mit dem Direktkauf von Swoopo intensiv auseinandergesetzt, um die wahre Intention dahinter zu durchblicken:

    Warum bietet Swoopo also neuerdings den Diretkauf an?

    Weil Swoopo den Kunden etwas Gutes tun will und auf seine bisher sehr hohe Marge verzichten will?
    Könnte sein, erscheint aber eher unwahrscheinlich, wenn wir mal ganz ehrlich sind, zumal dort gerade eine der berüchtigten Heuschrecken mit ordentlich Kapital eingestiegen ist, die natürlich eine entsprechende Rendite erwartet.

    Es wird dem Nutzer ja durch den Direktkauf suggeriert, dass er jetzt “risikolos” mitbieten kann.
    Weitere Frage: Steigen oder sinken die Erfolgschancen, jetzt bei Swoopo ein Schnäppchen zu machen?
    Mit Sicherheit sinken diese stark, da jetzt ja viele Nutzer, die vorher nur begrenzt bereit waren in Gebote zu investieren (waren ja ggf. verloren), mehr Gebote abgeben werden, da sie diese ja im Zweifel jetzt für den Direktkauf einsetzen können.
    Weiterer Effekt hierdurch ist natürlich, dass die Endpreise der Auktionen vollkommen durch die Decke gehen, wie man auch parallel bereits beobachten kann.
    Denn Swoopo hat nicht etwa die Anzahl der Auktionen an diese Situation angepasst, sondern stark reduziert (von mehr als 200 Auktionen zuletzt runtergefahren auf 130 Auktionen).
    D.h., auch hierdurch sinkt die Chance noch einmal zusätzlich, ein von Swoopo ach so toll suggeriertes Schnäppchen zu machen.
    Stattdessen sollen die Nutzer vollkommen überteuerte Produkte kaufen.
    Veranschaulicht heisst das nichts anderes als:
    Unter 100 Leuten, die einen rd. 20% überteuerten Plasma-TV kaufen, erhält einer einen 65%-Rabatt ggü. der überteuerten UVP (damit wirbt Swoopo ja immer). Swoopo finanziert diesen einmaligen Rabatt aus den jeweils im Preis rd. 40% ggü. dem Einkaufspreis von Swoopo höher liegenden 100 abgesetzten Plasma-TVs (denn Swoopo bezieht aufgrund seiner 10.000 verkauften Produkte im Monat die Produkte zu Einkaufspreisen von rd. 80% des günstigsten Marktpreises).
    Da kann sich Swoopo doch nur krank lachen über die Leute, die da beim Direktkauf mitmachen.

    Zusätzlich dreist ist, dass Swoopo gegenüber den internationalen Nutzern nicht ausweist, dass alle Auktionen bis auf Freebids-Auktionen in Deutschland und Österreich ab sofort Direktkauf-Auktionen sind. Dass alle Auktionen international laufen, versucht Swoopo damit zu verschleiern, dass andere Produktbilder verwendet werden, damit Otto Normalverbraucher das nicht gleich erkennt.
    Die internationalen Nutzer werden in dem Glauben gelassen, dass es sich um ganz normale Auktionen wie bisher gewohnt handelt, während alle deutschen Bieter risikolos 100te von Geboten abgeben.
    Das ist zunächst aus deutscher Sicht vielleicht vorteilhaft, was aber passiert, wenn der Direktkauf demnächst in Deutschland abgestellt wird und stattdessen in einem der anderen Länder eingeführt wird (Swoopo behält sich das ja vor)?
    Das hängt sicherlich davon ab, wieviel Dumme sich für die Direktkauf-Option entscheiden.
    Aber soll der deutsche Nutzer dann jedes Mal schauen, ob die Auktion, für die er sich interessiert, möglicherweise in einem anderen Land als Direktkauf-Option angeboten wird?

    Aus meiner Sicht geht es kaum mehr intransparenter und vor allem unfairer.
    Anstatt einmal für alle Nutzer die gleichen Ausgangsbedingungen zu schaffen (das wäre mal fair bei einem sowieso grenzwertigen Geschäftsmodell), hat sich das ach so erfahrene Management-Team um CEO Gunnar Piening mit der Heuschrecke im Rücken wieder einmal echtes Teufelszeug ausgedacht, um die Nutzer noch mehr über das Ohr zu hauen.
    Bleibt nichts anderes übrig, als zu hoffen, dass die Nutzer endlich aufwachen und erkennen, was da mit Ihnen getrieben wird und worauf das Ganze hinauslaufen wird.

  6. Rene sagt:

    Die Definition Glücksspiel trifft es meiner Meinung nach ganz gut, da ich der Meinung bin, dass bei diesem System auf Grund der niedrigen Startgebote auch Suchtgefahr besteht.

  7. alan sagt:

    Habs mir gerade angeschaut. Die Bieter kriegen aber auch 50 Cent pro Gebot zurück. D.h. man kann die gesamten Kosten seiner Gebote auf einen Direktkauf anrechnen lassen.

    Wo ist jetzt das Problem, dass Swoopo damit Geld verdient?

    Besser recherchieren würde ich sagen.

    • Alexander sagt:

      Ihre Aussage trifft so nicht zu, denn die Gebotskosten werden als Rabatt auf den Vergleichspreis des gewünschten Artikels angerechnet. Der Vergleichspreis entspricht der unverbindlichen Preisempfehlung des Herstellers oder einem marktüblichen Preis (wobei anzumerken ist, dass der Vergleichspreis teilweise überteuert ist).

      Sie haben beispielsweise einen Laptop zu einem (überteuerten) Marktwert von 1500 Euro per Direktkauf erworben, dann werden ihnen ihre 50 Gebote (250 Euro) als Rabatt abgezogen. Klingt im Vergleich zum übrigen Geschäftsmodell nicht schlecht, aber die Direktkauf-Möglichkeit wird bestimmt neue User anlocken und somit die Chance, ein “Schnäppchen” zu schlagen, weiter reduzieren.

      Das Problem an der ganzen Sache ist, das Swoopo mit seinem ausgeklügelten Geschäftsmodell versucht, den Kunden möglichst viel Geld aus der Tasche zu ziehen.

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