19
Dez08

Open-Source-Geschäftsmodell im Wandel

Die Geschäftsmodelle von IT-Größen wie Microsoft, IBM und Oracle basieren auf strengen Copyright-Vorschriften, dadurch erwirtschaften sie mit dem Verkauf von Software Milliarden Beträge. Open-Source-Unternehmen gehen hier einen ganz anderen Weg, sie verschenken Software und erlauben jedem die Software beliebig zu verändern und weiter zu entwickeln. Nur wie verdient man Geld wenn man die Software verschenkt?

Das Problem von Open-Source-Anwendungen war, dass der Programm-Code fehlerhaft, kompliziert und meistens inkompatibel zu Windows-Anwendungen war. Richtig heikel wurde es meistens dann, wenn eine Open-Source-Anwendung in eine bestehende Systemumgebung eingebunden werden sollte. Genau auf diesen Problemen beruhen die klassischen Geschäftsmodelle von Open-Source-Unternehmen. Die Open-Source-Software steht frei zur Verfügung und verdient wird dann über Support-und Wartungsverträge.

In einer wissenschaftlichen Arbeit habe ich versucht zu klären, ob das klassische Open-Source-Geschäftsmodell noch Anwendung in der Praxis findet bzw. welche Geschäftsmodelle heutzutage eingesetzt werden. Zum anderen wurde versucht festzustellen, ob sich Open-Source-Unternehmen wirtschaftlich etablieren können.

Zur Klärung der Forschungsfragen wurden drei der erfolgreichsten Open-Source-Unternehmen analysiert. Beginnend mit dem absoluten Spitzenreiter in Sachen Open Source, dem schwedischen Datenbankhersteller MySQL. Gefolgt von dem amerikanischen Spezialisten im Bereich Customer Relationship Management, SugarCRM. Zuletzt folgte noch eine Analyse des weltweiten Business Intelligence Open-Source-Anbieter JasperSoft.

Findet das klassische Open-Source-Geschäftsmodell noch Anwendung?

Wie man an den Beispielen MySQL, SugarCRM und JasperSoft gesehen hat, findet das klassische Open-Source-Geschäftsmodell kaum mehr Anwendung in der Praxis. Die Grundidee von Open Source, freie Software zu entwickeln und dann über Support-und Wartungsverträge Geld zu verdienen funktioniert nicht mehr. Der Grund: Open-Source-Software ist einfach zu gut geworden.

Welche Geschäftsmodelle werden heutzutage eingesetzt?

Die Geschäftsmodelle basierend auf reiner Softwarewartung und Kundensupport haben sich verschoben, hin zu dem Geschäftsmodell „kommerzielles Open Source”, das den Kunden durch zusätzlichen Funktionsumfang der Software einen Mehrwert bietet. Das hat auch MySQL erkannt und rechtzeitig das Geschäftsmodell „Dual-Licensing” auf das Modell „kommerzielles Open Source” umgestellt.

Der Programmcode der MySQL-Datenbank ist guter Code und der Prozess von der Installation bis zur Inbetriebnahme der Datenbank kann innerhalb von 15 Minuten durchgeführt werden, wer braucht da noch Support? Genau das ist das Problem an dem klassischen Open-Source-Geschäftsmodell, je besser und einfacher die Anwendungen werden, umso weniger Support ist nötig. Hätte MySQL das Geschäftsmodell nicht umgestellt, so wären die Umsatz in den nächsten Jahren wahrscheinlich stark zurückgegangen.

SugarCRM und JasperSoft haben dieses Dilemma von Anfang an erkannt und ausschließlich auf das Geschäftsmodell „kommerzielles Open Source” gesetzt. Sie bieten den Kunden durch zusätzliche Funktionen der Software einen reinen Mehrwert und erzielen daraus Umsätze. Es sieht also tatsächlich so aus, dass der Open-Source-Markt eine starke Veränderung durchmacht, weg von dem klassischen Open-Source-Geschäftsmodell hin zu dem profitableren Geschäftsmodell „kommerzielles Open Source”.

Haben Open-Source-Unternehmen sich wirtschaftlich etablieren können?

Wirtschaftlich gesehen können Open-Source-Unternehmen zwar nicht mit den Top-Verdiener der Branche mithalten, aber sie haben sich bereits etablieren können! Mit dem neuen Geschäftsmodell “kommerzeilles Open Source” werden die Umsätze weiter zulegen, aber einen wirtschaftlichen Erfolg wie Microsoft, IBM und Oracle werden sie dadurch aber trotzdem nie erreichen. Was bleibt ist hoffentlich gute und freie Software!

1 Kommentar zu “Open-Source-Geschäftsmodell im Wandel”

  1. Andreas sagt:

    Interessanter Artikel, danke dafür!

    Der Trend bei kommerziellem Open Source scheint in der Tat zu sein, das neben der sogenannten Community-Version eine Enterprise-Version existiert, die entsprechende Mehrwerte bietet, bessere Releasezyklen aufweist und für die Serviceverträge mit dem Hersteller abgeschlossen werden können. Viele dieser Hersteller raten mittlerweile sogar dringend (!) davon ab, die Community Editions in produktiven Einsatzbereichen zu verwenden. Bugfixes für die Community Editions sind nur äußerst schleppend zu bekommen, da die Haupt-Entwickler stark in die Entwicklung und Services der Enterprise-Variante eingebunden sind.

    Die Frage bleibt, ob das nun ein positiver Trend ist…!?

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